Landkreis Oberhavel - Idyllisch ist es auf der ruhigen Havel hinter dem Schlosshafen: blühende Seerosenbänke, Reiher, ab und an zeigt sich ein Fisch. Dann ist nach etwa 800 Metern für die Wasserwanderer und Freizeitkapitäne Endstation. Nichts zeugt mehr davon, dass es hier einmal über eine Schleuse weiter Richtung Neuruppin ging. Doch mit der Zuschüttung der kriegszerstörten Schleuse Friedenthal 1959 wurde diese Verbindung zum Ruppiner Kanal unterbrochen. Nun startet der Neubau der Schleuse, heute ist im Beisein zahlreicher Gäste feierlich der erste Spatenstich gesetzt worden. Geboren wurde die Idee vor bereits 30 Jahren. Rund 20 Jahre ist es her, dass sich erstmals der Bundestag mit dem Thema befasste, 2017 konnte schließlich die entsprechende und wegweisende Vereinbarung zwischen Bund, Land und Kommune unterzeichnet werden.

„Heute ist ein großer Tag für die Stadt Oranienburg“, so Bürgermeister Alexander Laesicke in seinem Grußwort. „Oranienburg als Stadt am Wasser wird noch einmal neu erlebbar werden und auf ein ganz anderes Level gehoben. Mit der neuen Wasserverbindung kann Oranienburg auch als beliebtes Urlaubs- und Ausflugsziel noch weiter gestärkt werden und davon profitieren letztlich alle in der Stadt.“ Mit dem Neubau wird die Oranienburger Havel aus ihrer Sackgasse nördlich des Schlosshafens befreit und mit dem Ruppiner Kanal verbunden. So werden wieder direkte Boots- und Schifffahrten durch die Stadt ermöglicht und damit insbesondere die Freizeitschifffahrt und der Wassertourismus in Oranienburg gefördert. Boote, deren Ziel die Ruppiner Gewässer sind, mussten bislang die Schleuse Pinnow südlich von Oranienburg passieren.

Wibke Mellwig, Leiterin der Abteilung Wasserstraßen Schifffahrt im Bundesministerium für Verkehr: „Der Wassertourismus ist ein wichtiger Motor für die wirtschaftliche Entwicklung ländlicher Räume gerade auch hier im Nordosten des Landes. Trotz Abgabe der Schleuse Friedenthal an die Stadt Oranienburg und Abschluss der Finanzierungsvereinbarung 2018 übernimmt der Bund daher von den derzeitigen Gesamtkosten in Höhe von rund 33 Millionen Euro rund 24 Millionen Euro. Ganz im Sinne des vom Bund 2021 veröffentlichten Masterplans Freizeitschifffahrt wird die Bundesregierung auch zukünftig den Erhalt und Ausbau der Bundeswasserstraßen in touristisch geprägten Regionen unterstützen.“

„Ich freue mich, dass wir alle heute Dank der vertrauensvollen Zusammenarbeit zwischen der Stadt Oranienburg, den regionalen Partnern und der WSV hier stehen dürfen. Auch möchte ich den wertschätzenden Umgang untereinander loben. Zusammen wird ein deutlicher Mehrwert für die Freizeitschifffahrt geschaffen", begrüßte Frau Gabriele Peschken, Leiterin der Abteilung Umwelt, Technik, Wassertourismus in der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt (GDWS) die Anwesenden.

Björn Lüttmann, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Landtag Brandenburg, Abgeordneter für Oranienburg, Liebenwalde, Leegebruch: „Für mich ist der Tag heute etwas ganz Besonderes, da ich das Projekt seit rund 20 Jahren begleite. Der Neubau der Schleuse Friedenthal ist ein Schlüsselprojekt für den Wassertourismus im Norden Brandenburgs – und damit für einen bedeutenden Wirtschaftszweig unseres Landes.

Zugleich ist der heutige Spatenstich Ergebnis einer erfolgreichen Zusammenarbeit: Engagierte Partner aus Bund, Land und der Stadt Oranienburg haben an die Potenziale dieses Vorhabens geglaubt und es trotz vieler Herausforderungen beharrlich vorangetrieben. Mit dieser Zukunftsinvestition machen wir unsere Tourismusregion noch attraktiver und ebnen den Weg für weitere Entwicklungen im Schleusenumfeld, von denen auch alle Oranienburgerinnen und Oranienburger profitieren werden.“

Die Kosten für den Wiederaufbau der Schleuse Friedenthal liegen bei rund 33 Millionen Euro. Darin eingeschlossen sind auch die Planungskosten, die Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen sowie die Kampfmittelräumung inklusive Planung. Das Vorhaben wird finanziell durch den Bund mit rund 24 Millionen Euro gefördert. Die Kosten für die Kampfmittelsuche wurden sogar zu 100 Prozent übernommen. Darüber hinaus beteiligt sich das Land Brandenburg, vertreten durch die Investitionsbank des Landes Brandenburg, an der Finanzierung zum Wiederaufbau der Schleuse Friedenthal und unterstützt die Stadt Oranienburg mit weiteren knapp 3,1 Millionen Euro.

Die Schleuse Friedenthal wird als 41,5 Meter lange und 6 Meter breite Kammerschleuse in Spundwandbauweise mit zweiflügeligen Stemmtoren aus Stahl wiederhergestellt. Sie wird für den automatisierten, selbstbedienbaren Schleusenbetrieb mit Fernüberwachung ausgerüstet. Die Fernüberwachung erfolgt vom Schlosshafen aus. Der Bau umfasst neben der Errichtung der eigentlichen Schleuse auch die Herstellung der Zuwegung, der Vorhäfen sowie einer Schleusenquerung in Form einer Betriebsbrücke. Außerdem muss die Havel in Teilen ausgebaggert werden, um den Untergrund auf eine einheitliche, schiffbare Höhe auszuheben. Laufen die Arbeiten nach Plan, kann die Schleuse voraussichtlich im November 2026 eröffnet werden.