Brandenburg beschleunigt die Erneuerung seiner Straßenbrücken. Mit dem Brandenburger Brückensprint starten das Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung und der Landesbetrieb Straßenwesen ein neues Programm für den Einsatz modularer Schnellbauweisen. Den Auftakt bilden 14 Pilotbrücken. Ziel ist es, bei geeigneten Ersatzneubauten die Zeit der Verkehrseinschränkungen deutlich zu verkürzen.
Infrastrukturminister Robert Crumbach: „Brücken müssen sicher sein und sie müssen funktionieren. Wenn sie ersetzt werden müssen, darf das nicht unnötig lange dauern. Mit dem Brückensprint wollen wir erproben, wie wir schneller bauen können. So sorgen wir dafür, dass notwendige Arbeiten zügig vorankommen und die Einschränkungen für die Menschen möglichst kurz bleiben.“
Mike Koehler, Vorsitzender des Vorstands des Landesbetriebs Straßenwesen: „Der Brückensprint ist für uns ein Innovationshebel. Wir verbinden standardisierte, modulare Bauweisen mit digitalen Methoden. Damit wollen wir die einzelnen Projekte besser vorbereiten und die Abläufe von der Planung bis zum Bau enger aufeinander abstimmen. Die Erfahrungen aus der Pilotphase sollen auch in andere Vorhaben des Straßenbaus einfließen.“
Der Erhalt der Straßenbrücken ist eine Daueraufgabe für das Land Brandenburg. Der Landesbetrieb Straßenwesen betreut 1.556 Brücken an Bundes- und Landesstraßen. Der überwiegende Teil des Bestands ist vergleichsweise jung. Dennoch besteht insbesondere bei älteren Bauwerken Erneuerungsbedarf. Zugleich nehmen die Verkehrsbelastungen zu. Gerade im berlinnahen Raum ist das Straßennetz stark beansprucht. In den ländlichen Regionen gibt es häufig nur wenige Ausweichmöglichkeiten.
Mit dem Brandenburger Brückensprint sollen geeignete Brücken künftig schneller erneuert werden. Das Programm setzt auf modulare Bauweisen. Dabei werden Bauteile mit einem hohen Vorfertigungsgrad eingesetzt und auf der Baustelle montiert. Planung und Bauleistung sollen gemeinsam vergeben werden. Die vorhandenen Abmessungen der Bauwerke sollen dabei möglichst erhalten bleiben. Auch die vorhandenen Gründungen und Unterbauten sollen, wo dies technisch möglich ist, weiter genutzt werden. So können aufwendige Planungsverfahren vermieden und die Arbeiten vor Ort konzentriert werden.
Den Auftakt bildet eine Pilotphase mit 14 Brücken. Hier sollen die neuen Bauweisen unter den besonderen Anforderungen des Straßenbrückenbaus erprobt werden. Die Pilotphase ist bis 2029 vorgesehen. Anschließend sollen die Erfahrungen ausgewertet werden. In einer weiteren Phase soll der Ansatz auf zusätzliche geeignete Brücken übertragen werden. Der gesamte Brückensprint ist bis 2038 angelegt.
Bei den Pilotvorhaben ist vorgesehen, die Arbeiten unter Vollsperrung in einem eng getakteten Zeitraum umzusetzen. Dadurch sollen die Verkehrseinschränkungen auf etwa sechs Wochen begrenzt werden. Das ist für viele Menschen und Unternehmen besser planbar als lang andauernde Baustellen mit wechselnden Verkehrsführungen.
Der Landesbetrieb Straßenwesen hat landesweit 197 kleinere Brücken identifiziert, die grundsätzlich für eine Erneuerung in modularer Bauweise geeignet sind. Davon liegen 143 an Landesstraßen und 54 an Bundesstraßen. Die Auswahl beruht insbesondere darauf, ob ein Bauwerk für einen modularen Überbau geeignet ist und ob vorhandene Bauteile weiter genutzt werden können. Die Umsetzung ist abhängig von den zur jeweiligen Projektphase zur Verfügung stehenden Haushaltsmitteln.
Ein erstes Beispiel zeigt das Potenzial dieses Ansatzes. Bei einer Brücke an der L 171 in Hohen Neuendorf lagen zwischen Planungsbeginn und Inbetriebnahme sieben Monate. Diese Erfahrungen sollen nun mit dem Brückensprint auf weitere geeignete Bauwerke übertragen werden.
Ein weiterer wesentlicher Bestandteil des Brückensprints ist die BIM-Methode. Wesentliche Informationen zum Bauwerk und zu seinem Umfeld werden dabei bereits während der Vorbereitung in einem digitalen Modell zusammengeführt und dargestellt. Dazu gehören auch Randbedingungen für die Baustellenlogistik. Unternehmen erhalten damit schon in der Angebotsphase eine genauere Grundlage für die Planung und Kalkulation. In Verbindung mit standardisierten Bauteilen soll BIM zudem die Abstimmung, Prüfung und Überwachung der Vorhaben unterstützen.
Der Landesbetrieb Straßenwesen bereitet die erforderlichen Vergabeverfahren vor und wird die Pilotprojekte als Bauherr umsetzen. Die Verfahren erfolgen unter Einhaltung der geltenden vergaberechtlichen Vorgaben. Eine Markterkundung hat bereits Interesse bei 14 Unternehmen hervorgerufen.
Für die Pilotphase wurden folgende 14 Brücken ausgewählt:
- L23 Brücke über das Mühlenfließ in Storkow
- L40 Brücke über den Nottekanal in Königs Wusterhausen
- L49 Brücke über das Göritzer Fließ in Göritz
- L49 Brücke über die Malxe in Forst
- L52 Brücke über das Greifenhainer Fließ in Reddern
- L52 Brücke über die Kleptna in Buckow
- L52 Brücke über den Wassergraben in Casel
- L52 Brücke über die Schrake in Groß Jehser
- L71 Brücke über die Berste in Kasel-Golzig
- L71 Brücke über den Mühlengraben in Kasel-Golzig
- L71 Brücke über den K-Graben 1 in Schiebsdorf
- L71 Brücke über den K-Graben 3 in Schiebsdorf
- L72 Brücke über den Werftgraben in Schmielsdorf
- L200 Brücke über die Schwärze in Eberswalde