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Gemeinde Rüthnick - 800 Einsatzkräfte trainieren in der Rüthnicker Heide - Im Rahmen einer gemeinsamen dreitägigen Übung haben die Landkreise Oberhavel und Ostprignitz-Ruppin in einem Waldgebiet bei Rüthnick den Ernstfall geprobt. Im Mittelpunkt standen das Szenario eines Großwaldbrandes sowie die Maßnahmen, die von den verschiedenen Einsatzkräften in einem solchen Fall ergriffen werden.

 

Die Waldbrandgefahr steigt seit Jahren angesichts immer häufigerer Hitzewellen und Trockenperioden. Brände sind eine der größten Bedrohungen im waldreichen Brandenburg. Um Großfeuer zu löschen und Menschen zu retten, sind koordinierte Aktionen entscheidend.

Bei einer gemeinsamen Katastrophenschutzübung der Landkreise Oberhavel und Ostprignitz-Ruppin trainierten etwa 800 Einsatzkräfte unter Federführung der beiden Kreisbrandmeister Gerd Ritter (Oberhavel) und Olaf Lehmann (Ostprignitz-Ruppin) die Abläufe im Falle eines Großwaldbrandes. Darüber hinaus begleiteten zahlreiche fachkundige Beobachter:innen die Übung, ebenso Medien-Vertreter:innen.

Das Szenario der Übung: Seit Wochen fiel kaum Regen, tagsüber steigen die Temperaturen auf mehr als 30 Grad und nachts fallen sie nicht unter 20 Grad Celsius. Die Böden sind durch ablandige Winde tief ausgetrocknet. Es gilt die höchste Waldbrandgefahrenstufe 5. In der Regionalleitstelle Nordost gehen vermehrt Notrufe über Feuer westlich der B96 und südlich der B167 auf den Gemarkungen des Löwenberger Landes und der Stadt Kremmen ein, die sich schnell ausbreiten. Seit Mitte der Woche entwickelt sich ein Brand, der zwei Tage später die Ausmaße eines Großbrandes erreicht und mit den örtlich verfügbaren Kräften nicht mehr beherrschbar ist. Die Ortschaften Ludwigsaue und Neu Ludwigsaue sind bedroht.

Der Landrat von Oberhavel ruft die Großschadenslage aus und aktiviert den Führungsstab – eine Einheit, die bei Krisen die Lage koordiniert und die Einsatzkräfte unterstützt. Feuerwehren aus ganz Oberhavel sind im Einsatz. Unterstützung kommt aus den Nachbarlandkreisen, wie aus Ostprignitz-Ruppin mit Einsatzkräften der Freiwilligen Feuerwehren und des DRK. Die Fliegerstaffel der Bundespolizei und die Spezialtechnik des Landes werden angefordert. Dazu gehören ein ferngesteuerter Minenräumer, der in kampfmittelbelasteten Waldflächen Wundstreifen anlegt, und ein unbemanntes Löschfahrzeug samt Winde, Greifer und Räumgerät. Der Forstpflug des Landkreises Oberhavel zieht Schneisen in den Waldboden. Tausende Liter Wasser pumpt ein Kreisregnersystem aus dem Beetzer See, um die Flammen zu bekämpfen. Während Drohnen das Gelände sondieren, bereitet der Krisenstab die Evakuierung der von den Flammen bedrohten Dörfer vor.

Die praktische Übung fand im Waldgebiet zwischen Beetz und der Rüthnicker Heide statt. An fünf Stationen, verteilt auf mehr als 20 Kilometer Wegstrecke, trainierten vier Brandschutzeinheiten. Zusätzlich wurde das Einrichten und der Betrieb eines Bereitstellungsraumes an der Einsatzstelle praktisch geübt.

Station 1: Spezialtechnik für gefährliche Einsatzorte

Diese Station zeigte Technik, die dort eingesetzt wird, wo Einsatzkräfte nicht gefahrlos arbeiten können – etwa auf munitionsbelasteten Flächen. Unbemannte Fahrzeuge räumten Hindernisse, legten Schneisen an und unterstützten die Brandbekämpfung aus sicherer Entfernung. Ergänzt wurde dies durch kreiseigene Forsttechnik, die sogenannte Wundstreifen anlegte, um die Ausbreitung des Feuers zu verlangsamen.

Station 2: Riegelstellungen zum Schutz von Ortschaften

Hier wurde geübt, Feuerfronten gezielt zu stoppen. Kreisregner-Systeme der Landkreise und einer Einheit "Spezialisierte Kräfte Vegetationsbrandbekämpfung" legten breite, dauerhaft bewässerte Schutzstreifen an. Das Wasser wird mit mehreren Hytrans-Fire-Systemen (HFS) über fünf Kilometer weit in den Wald gepumpt. Eine stabile Wasserversorgung ist ein entscheidender Faktor, wenn es in abgelegenen Waldgebieten brennt.

Station 3: Luftunterstützung und Drohneneinsatz

Ein Hubschrauber der Bundespolizei mit Außenlastbehälter, dem Bambi Bucket, demonstrierte gezielte Löschwasserabwürfe. Drohneneinheiten lieferten Wärmebilder der Brandfläche, machten Daten zur Brandausbreitung sichtbar und übermittelten diese der Einsatzleitung in Echtzeit. Ein großer mobiler Löschwasserbehälter diente der Wasseraufnahme für die Luftfahrzeuge. All diese Maßnahmen werden von den eigens dafür ausgebildeten Luftkoordinatoren organisiert und geleitet. Diese Station verdeutlichte, wie wichtig die Verzahnung von Boden und Luftkräften ist.

Station 4: Wasserförderung über lange Wegstrecken

Da Waldbrände oft fernab von Hydranten entstehen, wurde demonstriert, wie Wasser über mehrere Kilometer transportiert werden kann. Drei Hochleistungsfördersysteme in Reihe förderten Löschwasser bis tief in das Waldgebiet hinein. Diese Technik ist entscheidend, um auch schwer zugängliche Brandherde effektiv zu bekämpfen.

Station 5: Evakuierung einer Ortschaft

In einem fiktiven Szenario wurde geübt, wie eine Ortschaft im Gefahrenbereich schnell und geordnet evakuiert wird. Dazu gehörten Verkehrslenkung, Warnmeldungen, das Einrichten von Sammelstellen und die Unterbringung betroffener Menschen. Die Station zeigte, wie viele Stellen und Akteure zusammenarbeiten müssen, um die Bevölkerung im Ernstfall effektiv zu schützen.

Im Laufe der dreitägigen Übung wurde die Arbeit des Führungsstabes vom Landkreis Oberhavel an den Führungsstab des Landkreises Ostprignitz-Ruppin übergeben. Ziel war es dabei, das koordinierte Zusammenwirken aller beteiligten Kräfte bei einem großflächigen kreisübergreifenden Waldbrand realitätsnah zu prüfen und weiterzuentwickeln.

Oberhavels Kreisbrandmeister Gerd Ritter: "Mit der gemeinsamen Übung stärken wir die interkommunale Zusammenarbeit und bereiten uns gezielt auf die steigenden Herausforderungen durch Vegetations- und Waldbrände vor. Einsatzkräfte aus sechs Landkreisen und zwei kreisfreien Städten waren beteiligt, und der Führungsstab hat in Echtzeit geübt, eine solche Krisenlage zu bewältigen. Die Wahrscheinlichkeit, dass große Waldbrände bekämpft werden müssen, steigt seit Jahren. Mit diesem Training helfen wir den Einsatzkräften, Routinen weiterzuentwickeln. Wir wollen ihnen zeigen, dass gegenseitige Unterstützung im Krisenfall da ist – ob aus den Nachbarorten, den Nachbarkreisen, vom Land oder der Bundeswehr. Koordiniert können wir solche Brände löschen, Menschen retten und ihr Hab und Gut schützen."

Olaf Lehmann, Kreisbrandmeister für den Landkreis Ostprignitz-Ruppin: "Der Landkreis OPR verfügt über ca. 90.000 Hektar Waldfläche, dazu kommt als Schwerpunkt mit ca. 11.000 Hektar die Kyritz-Ruppiner Heide mit größtenteils stark munitionsbelasteten Flächen. Es gibt also die große Wahrscheinlichkeit, dass es auch im Landkreis OPR zu großen Waldbränden mit Großschadenscharakter kommen kann. Um für solche Szenarien vorbereitet zu sein, ist es wichtig, die Einheiten des Landkreises, aber vor allem die Führungsstrukturen zu schulen.

Dazu zählen die Einheiten der unmittelbaren Waldbrandbekämpfung, aber vor allem auch der Führungsstab des Landkreises. Ziel dieser gemeinsamen Übung beider Landkreise war es, die Fähigkeiten der Führungsstrukturen auszubauen, die Fähigkeiten der Landkreise und des Landes darzustellen und die Zusammenarbeit beider Landkreise bei der Bewältigung von Großschadensereignissen zu stärken. Nach dem bekannten Prinzip ‚In der Krise Köpfe kennen‘ sollte die Zusammenarbeit vieler Akteure bis hin zur Bundeswehr, der Bundespolizei, den Landkreisen und Kommunen beübt werden, um für den hoffentlich nie eintretenden Krisenfall vorbereitet zu sein."

"Für gefährliche Einsätze wie einen Großwaldbrand stehen der Brandenburger Feuerwehrfamilie ferngesteuerte Spezialfahrzeuge und ein ballistisch geschütztes Fahrzeug zur Verfügung. Diese Sondertechnik des Landes war zum ersten Mal Teil der dreitägigen Großübung", sagt die für Katastrophenschutz in Oberhavel zuständige Dezernentin Katja Hermann. "Technik wie diese kann den Unterschied machen. Um sie im Ernstfall nutzen zu können, müssen unsere Feuerwehren regelmäßig die Chance bekommen, mit ihr zu trainieren. Sie soll die Menschen, die für unser aller Sicherheit sorgen, so gut es geht unterstützen.

Das Können und der Einsatz unserer Einsatzkräfte sowie jede technische Unterstützung und ein gemeinsames, gut koordiniertes Wirken sind entscheidend in einer Krise. Diese Übung hat eindrucksvoll gezeigt, was möglich ist, wenn Kompetenz, Engagement und Teamgeist zusammenkommen. Drei Tage intensiver Zusammenarbeit haben bewiesen, dass wir im Ernstfall aufeinander zählen können – über Organisations- und Zuständigkeitsgrenzen hinweg. Mein aufrichtiger Dank gilt allen Beteiligten für ihren unermüdlichen Einsatz, ihr großartiges Engagement und ihre Professionalität sowie allen Bürgerinnen und Bürgern für ihr Verständnis."

Der Dezernent für Katastrophenschutz in Ostprignitz-Ruppin, Werner Nüse, erklärt: "Es ist mir wichtig, dass unsere Feuerwehreinheiten im Umfeld einer großen Übung ihre Leistungsfähigkeit überprüfen können und dabei auch das Zusammenspiel mit vielen anderen Akteuren der Blaulichtfamilie üben können. Die in den vergangenen Jahren angeschaffte neue Technik muss auch beübt werden. Wir wissen alle, dass Waldbrände leider häufiger werden, und das erneut trockene Frühjahr verlängert die Waldbrandsaison immer mehr."

An der Übung beteiligt waren die Führungsstäbe aus den Landkreisen Oberhavel und Ostprignitz-Ruppin, örtliche Feuerwehreinheiten und überörtliche Brandschutzeinheiten aus der Prignitz, dem Havelland, Barnim und der Uckermark, Technische Einheiten der Feuerwehren aus Potsdam und Brandenburg an der Havel, die Landes- und Bundesforstämter sowie die DBU Naturerbe GmbH, die Kreisverbände Gransee-Ostprignitz-Ruppin und Märkisch-Oder-Havel-Spree des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), örtliche Ordnungsbehörden, die Bundeswehr, die Fliegerstaffel der Bundespolizei, die Polizeidirektion Nord, die Polizeiinspektionen Ostprignitz-Ruppin und Oberhavel, das Technische Hilfswerk, Einrichtungen des Katastrophenschutzes aus Oberhavel und Ostprignitz-Ruppin, die Landesschule und Technische Einrichtung für Brand- und Katastrophenschutz (LSTE) sowie das Ministerium des Innern und für Kommunales des Landes Brandenburg.

Das Land Brandenburg unterstützte die dreitägige Katastrophenschutzübung mit Fördermitteln in Höhe von 16.000 Euro.

(Symbolvideo)