Seit Werksschließung existiert Eberswalder Wurst nur noch auf der Verpackung Nach fast 50 Jahren Produktion hat die Wurstfabrik in Britz bei Eberswalde Ende Februar 2026 endgültig geschlossen. Seitdem werden die Produkte der Marke „Eberswalder“ an verschiedenen Standorten außerhalb Brandenburgs hergestellt. Auf den Verpackungen ist dieser Umstand für Verbraucher:innen jedoch kaum nachvollziehbar. „Für uns ein klarer Fall von Verbrauchertäuschung“, sagt Annett Reinke von der Verbraucherzentrale Brandenburg.
Diese ist nun mit Abmahnungen gegen die Praxis des Herstellers und auch gegen Kaufland vorgegangen, da der Supermarkt die Produkte weiterhin prominent als „Hergestellt in Brandenburg“ bewirbt.
Bundesweite Produktionsorte – nur nicht in Brandenburg
Auf der Vorderseite der Verpackungen von Eberswalder Wurstwaren ist das Logo mit dem Schriftzug „Eberswalder“ weiterhin besonders prominent sichtbar.
Tatsächlich werden die Produkte inzwischen jedoch in anderen Bundesländern produziert: So entstehen beispielsweise die Bockwürste in Sachsen, die Käsewürstchen in Sachsen-Anhalt und die Wacholdersalami in Schleswig-Holstein. „Für die Verbraucherzentrale ist dies ein klarer Fall von Verbrauchertäuschung. Kund:innen verbinden die Marke ‚Eberswalder‘ mit dem jahrzehntelangen Produktionsstandort in Brandenburg und gehen deshalb davon aus, dass die Produkte dort auch hergestellt werden und zur regionalen Wertschöpfung beitragen. Aus diesem Grund haben wir den Hersteller abgemahnt“, erklärt Annett Reinke, Juristin bei der Verbraucherzentrale Brandenburg.
Firmenadresse ist weiterhin in Britz bei Eberswalde
Hinzu kommt, dass das Unternehmen auf der Rückseite weiterhin die Anschrift des ehemaligen Produktionsstandortes angibt. „Dies verstärkt die Irreführung zusätzlich“, so Reinke. „Die Angabe macht für Verbraucher:innen den Eindruck, dass das Unternehmen seine Produkte gegebenenfalls weiterhin oder wieder in Britz bei Eberswalde herstellt, obwohl sich dort nur noch der Firmensitz befindet.“ Ein eindeutiger und gut sichtbarer Hinweis auf einen von Eberswalde abweichenden Produktionsort fehlt sowohl auf der Vorder- als auch auf der Rückseite. „Die Entschlüsselung des ovalen Codes mit Zahlen- und Buchstabenkombinationen, des sogenannten Identitätskennzeichens, das zum jeweiligen Verarbeitungsbetrieb führt, ist Verbraucher:innen jedenfalls nicht zumutbar”, meint die Expertin. In Folge der Abmahnung plant der Hersteller nun, die Kennzeichnung transparenter zu gestalten.
Auch Kaufland wegen „Hergestellt in Brandenburg“ abgemahnt
In diesem Zusammenhang hat die Verbraucherzentrale Brandenburg auch Kaufland abgemahnt. In mehreren Filialen in Brandenburg werden Produkte der Marke „Eberswalder” mit dem Hinweis „Hergestellt in Brandenburg” beworben, der am Regal als rotes Herz direkt ins Auge fällt. „Kaufland will damit Produkte aus der Region besonders hervorheben. Doch in Brandenburg hergestellt werden die Wurstwaren eben nicht mehr. Auch dieses Beispiel zeigt, wie leicht Verbraucher:innen beim täglichen Einkauf in die Irre geführt werden können”, sagt Reinke. Kaufland ist mit der Abmahnung nun aufgefordert, die Hinweisschilder “Hergestellt in Brandenburg” bei Produkten der Marke Eberswalder nicht mehr zu verwenden.



